overeem_misfit

Drückende Hitze in der Stadt…

“Seit Wochen schon war es über dreißig Grad, und wir hatten keinen Sex mehr. Kaat saß immer nur mit dem Rücken zu mir auf der schmuddeligen Matratze und guckte fern, in der Unterhose, und zündete sich eine Zigarette nach der anderen an. Futterte Kekse und trank Limo. Jammerte über die Hitze.
Kaat mit den feurigen Augen. Kaat mit der Narbe in der Leiste, wo sie als kleines Mädchen von einem Hund gebissen worden war. Mann, ich bekam einfach weiche Knie, wenn ich daran dachte, dass sie zu mir gehörte.”

Der erste Roman des Holländers Vincent Overeem könnte nicht besser zum aktuellen Wetter passen. Misfit ist nicht nur eine Liebesgeschichte zwischen dem achtzehnjährigen Erzähler und der schönen Kaat, sondern auch eine geheimnisvolle, hintergründige Familiengeschichte.
Durch die Ich-Perspektive des Erzählers erfährt man zwar einiges über ihn und seine Vergangenheit, man beginnt sich aber bald zu fragen, wieviel man eben gerade nicht erfährt. Wie ein Schleier hängt etwas Unverarbeitetes über der Vergangenheit. Was ist passiert mit dem kleinen Bruder Krijn? Auch die Gegenwart bleibt geheimnisvoll: hat Kaat etwa ein Verhältnis mit dem Vermieter, der ihr doch eigentlich so zuwider ist?

Mit dem unerwarteten Ende des Buches fügen sich alle Teile zusammen, soviel sei verraten. Bis zu diesem Punkt hält einen die drückende Atmosphäre des Romans im festen Griff.
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